Zum Inhalt springen Zum Navigationsmenü springen
31. Oktober 2022  (aktualisiert am 11. Juli 2025)

Einbruchsschutz: Keine Chance für Einsteiger

von  Ulrich Wolf | 7 Min. Lesezeit | #Sicherung  #Einbrüche  #Einbruchschutz  #Widerstandsklassen  #Zusatzschloss 

Im Dunkeln ist gut einbrechen. Deshalb ist jetzt die Zeit, sich über die Sicherung aller Tore, Türen und Fenster Gedanken zu machen. Lesen Sie hier alles zum Thema Einbruchschutz. Den richtigen Einstieg zu finden, ist in heiklen Gesprächen mitunter schwer. Für Einbruchsprofis hingegen ist er eher leicht, da viele Häuser und Wohnungen nur unzureichend gegen unbefugtes Betreten gesichert sind. Im Vor-Corona-Jahr 2019 gab es knapp 90.000 Einbrüche oder Einbruchsversuche mit teils gravierenden Folgen für das monetäre Vermögen und auch für die Psyche der Bewohner. Dabei gibt es Hauptangriffspunkte der Einbrecher, die, sofern ohne Schutz, besonders einfach zu knacken sind. Besonders häufig steigen die Täter über die Terrassentür ein, vor allem in Einfamilienhäusern.

Einbrecher auf Terasse

In Mehrfamilienhäusern sind es naturgemäß die Wohnungseingangstüren, die als Zugang genutzt werden. Die Fenster sind bei Einfamilienhäusern am zweithäufigsten, bei Mehrfamilienhäusern am dritthäufigsten betroffen. Theoretisch lässt sich jede Tür und jedes Fenster aufbrechen, entscheidend ist die Zeit, die der Einbrecher dazu braucht. Ist der Widerstand so groß, dass es länger als 2 Minuten dauert, gibt der Durchschnittseinsteiger auf. Fenster und Türen werden in sieben Widerstandsklasse RC 1 N bis RC 6 eingeteilt (siehe Kasten). Im Erdgeschoss sollten mindestens Türen und Fenster mit RC 2 eingebaut sein, RC 3 ist hier aber zu vorzuziehen. Mit steigender Widerstandsklasse erhöht sich die Zahl der eingebauten Sicherungen wie Pilzkopfzapfen.

Einbruchschutz: Das sind die Widerstandsklassen

  • RC 1 N: Bauelemente weisen einen begrenzten bis geringen Grundschutz gegen Aufbruchsversuche mit körperlicher Gewalt oder mit einfachen Hebelwerkzeugen auf. RC 1 N kommt oft erst ab dem 1. OG zum Zuge, wenn Fenster nicht zu erreichen sind.
  • RC 2 N: Diese Widerstandsklasse bietet einen Grundschutz gegen Einbruchsversuche mit einfachen Werkzeugen wie Schraubendreher, Zangen oder Keile. Ein Angriff auf eine mögliche Verglasung ist nicht zu erwarten.
  • RC 2: Bauelemente trotzen einem Gelegenheitstäter über mindestens drei Minuten beim Aufbrechen mit einfachen Hebelwerkzeugen wie Schraubendreher, Zange oder Keilen.
  • RC 3: Bauteile dieser Widerstandsklasse widerstehen den Aufbruchsversuchen mit einem zweiten Schraubendreher und einem Brecheisen. Sie müssen mindestens fünf Minuten standhalten.
  • RC 4: Bauelemente bestehen gegen erfahrene Täter, die mit Säge- und Schlagwerkzeugen und Akku-Bohrmaschine vorgehen.
  • RC 5: Selbst dem Einsatz von Elektrowerkzeugen wie Bohrmaschinen, Stich- oder Säbelsägen und Winkelschleifern bieten Bauelemente dieser Widerstandsklasse einen definierten Widerstand.
  • RC 6: Bohrmaschinen, Stich- oder Säbelsägen und Winkelschleifern der höchsten Leistungsklasse setzen Bauteile dieser Klasse einen definierten Widerstand entgegen.

Einbruchsicherungen nachrüsten ist denkbar einfach

Während sich die Anforderungen an die Bauart des Fensters oder auch an die Qualität des Glases letztlich nur durch den Austausch oder einen Sicherheits-Fachbetrieb erfüllen lassen, ist die Montage von Elementen zur Fenstersicherung oder Türsicherung auch nachträglich möglich.

Die wichtigsten Möglichkeiten, die Wohnung oder das Haus zu schützen:

Tür-Panzerriegel Die bekannteste Zusatzsicherung für Türen ist der Panzerriegel. Die Funktionsweise ist genauso einfach wie die Montage: Durch Drehen des Schlüssels von der Türaußen- oder des Drehknopfs auf der Türinnenseite wird ein massiver Vierkantriegel links und rechts in jeweils einen Türschließkasten geschoben. Die Tür ist gewaltsam nicht mehr zu öffnen. Die Türschließkästen auf der Schließ- und der Bandseite sollten in den Wänden verankert sein, die Verankerung auf der Türzarge ist nur die zweitbeste Lösung.

Tür-Zusatzschloss Ein zweites, auf Augenhöhe angebrachtes Türzusatzschloss bringt ein erhebliches Mehr an Sicherheit. Gute Schlösser bieten Schlossplatten und Schließbleche aus vergütetem Spezialstahl, dazu gehört ein Schwerlastdübel für die Wandverankerung. Empfehlenswert sind Ausführungen mit Sperrbügel, damit kann der Hausherr die Tür einen Spalt öffnen, ohne sie ganz zu entriegeln.

Fenster-Panzerriegel Was an der Wohnungseingangstür gut funktioniert, gibt es auch für Fenster – der Panzerriegel. Dabei handelt es sich um ein Vierkantrohr aus Edelstahl (stabiler als Rundrohr), das über Dübel und Schrauben in der Fensterlaibung verankert wird. Damit ist es nicht mehr möglich, das Fenster zu öffnen.

Die Laibungsbreite darf zwischen 35 und 226 cm liegen. Zu schließen ist der Riegel über einen Druckzylinder, zu öffnen mit einem Schlüssel. Zwei Vorteile bietet diese Fenstersicherung: Sie ist von außen zu erkennen und schreckt vor einem Versuch ab. Zweitens ist sie ideal für Mietwohnungen, da die Befestigungspunkte nicht im Fensterrahmen, sondern in den Laibungen liegen. Eine Renovierung bei Auszug ist somit passe.

Fenster-Zusatzschloss

Zusatzschlösser für Fenster und Terrassentüren gehören zu den Klassikern des Einbruchschutzes. Die neue Generation dabei den mechanischen Druckwiderstand mit einer zusätzlichen Alarmfunktion. Startet ein Bösewicht einen Einbruchversuch, nimmt das eine im Schloss integrierte Magnetfeldsensorik wahr und löst einen 110 dBA lauten Alarmton aus.

Terassentürgriff

Den nötigen Strom bezieht das Schloss aus zwei AA-Batterien. Geschaltet wird das System über das Entrespektive Verriegeln des Drehgriffes. Das ist sinnvoll, weil so ein versehentliches Auslösen durch Öffnen des Fensters vermieden wird – dafür ist ja das Entriegeln und damit Entschärfen erforderlich. Ein Fenster-Zusatzschloss bietet auf der Schließseite ein Plus an Sicherheit, allerdings muss dann auch auf der Bandseite etwas getan werden.

Schwing-, Roll- und Sektionaltore von Garagen nachrüsten

Auch die Garage beherbergt wertvolle Dinge, oft nicht nur das Auto. Falls die Garage direkt mit dem Haus verbunden ist, könnten die Einbrecher über die Garage quasi unbeobachtet in die Wohnräume gelangen. Zu einem umfassenden Einbruchschutz gehört deshalb auch zwingend eine Sicherung des Garagentors. Dazu gehört beispielsweise eine Aufschiebesicherung, die verhindert, dass Kriminelle das Tor mit einer Brechstange oder einem anderen Werkzeug nach oben aufschieben können. Eine Aufschiebesicherung ist sowohl für Schwingtore als auch für andere Modelle wie Schiebe-, Rolltore und Sektionaltore erhältlich.

Digitaler Türspion

Einen Einbruch in Abwesenheit verhindert ein Türspion nicht, er ist aber eine sinnvolle Ergänzung zu den mechanischen Sicherungen. Der gute alte optische Spion hat mittlerweile ausgedient, weil die Linsen wie beim Menschen im Alter trüb oder blind werden können. Bei den digitalen Alternativen muss der Hausherr nicht mehr durch die Linse lugen, sondern kann den Besucher auf einem TFT-Display in Augenschein nehmen. Über eine Aufnahmefunktion können bis zu 50 Bilder gespeichert werden, eine Infrarot-Nachtsichtfunktion hilft bei schwierigen Sichtverhältnissen. Die Montage ist einfach, der Digitalspion lässt sich in Türen mit Türblattstärken von 38 bis 110 einbauen.

Smarter Einbruchschutz: Fenster-/Tür-Öffnungsmelder für Alarmanlage

Ein Öffnungsmelder lässt den Hausherrn sofort wissen, dass gerade eine seiner Türen oder Fenster geöffnet wird. Für den Einbruchschutz wird der zweiteilige Melder mit einer zum System gehörenden Alarmanlage verbunden, er kann aber auch in ein Smarthome-System eingebunden werden. Die Montage erfolgt in der Regel über Klebepads, wobei ein Element auf das Fenster oder das Türblatt, das andere auf den Fensterrahmen oder die Zarge aufgeklebt wird. Um beim einfachen Abklappen des Fensters nicht permanent Alarm auszulösen, ist es sinnvoll, die Elemente unten am Fenster zu fixieren. Kabel zur Verbindung mit der Alarmanlage oder zur Stromversorgung sind nicht nötig, das Ganze funktioniert mit Batterie.

Portrait Ulrich Wolf

Ulrich Wolf

Ulrich Wolf gehört zum Management Programm der Fachzeitschrift bmH bauen mit Holz im Kölner Bruderverlag. Seit 25 Jahren arbeitet der ausgebildete Zimmerer als Redakteur für verschiedene Fachzeitschriften aus dem Bau-, Ausbau- und Do-it-yourself-Bereich. Knapp zehn Jahre lang betrieb er eine Agentur, die Foto- und Videoproduktionen sowie Fachtexte für Redaktionen und Unternehmen aus diesen Fachbereichen realisierte.

Benötigte Artikel (2)

Artikel teilen

Das könnte Sie auch interessieren

1. Juni 2026
von textbroker | 6 Min. Lesezeit

Im Bereich des Klimaschutzes spielt die Speicherung von Kohlenstoff zunehmend eine Rolle. Eine praktische Option ist die Speicherung in Beton. Eine Forschungsinitiative möchte mit einer neuen Methode den CO₂-Gehalt in der Atmosphäre reduzieren und das Kohlendioxid...

13. Mai 2026
von textbroker | 6 Min. Lesezeit

Hanfkalk besteht aus Grundstoffen, die schon seit Ewigkeiten als Baumaterialien zum Einsatz kommen. Gleichzeitig ist der Bioverbundwerkstoffe ein moderner Baustoff, der seine Ursprünge in den 1980er-Jahren in Frankreich hat. Heutzutage ergeben sich neue Einsatzmöglichkeiten für Hanfkalk, und das Baumaterial zeigt sich erstaunlich vielseitig.

5. Mai 2026
von textbroker | 6 Min. Lesezeit

Bereits seit vielen Jahren kämpft die Baubranche mit steigenden Kosten. Dies hat zu einer Diskrepanz zwischen den benötigten und den fertiggestellten Wohnungen geführt. Darunter leidet besonders der Sozialbau, weil das Ziel der Bundesregierung, jährlich 400.000 neue...

Leider konnten keine Produkte gefunden werden
Das gewünschte Variantenprodukt befindet sich bereits in der Liste. Die zuvor gewählte Variante wurde aus der Liste entfernt.
Geben Sie hier Ihren Suchbegriff bzw. die Artikelnummer ein und wählen Sie die richtige Position aus der Vorschlagsliste aus. Nun können Sie die gewünschte Anzahl zum Warenkorb hinzufügen.
Tragen Sie hier bitte Ihre Bestellung ein